musica suprimata

         Tradition ist die Weitergabe des Feuers,                 aber nicht die Anbetung der Asche  (Gustav Mahler)   Tradiţie înseamnă transmiterea focului, nu venerarea cenuşii

Was heißt denn 'musica suprimata'?

Es hat eine doppelte Bedeutung: Einerseits bedeutet „suprimata“ auf Rumänisch „unterdrückt“. Andererseits geht es bei dieser Musik um solche, die „supreme“ ist, also „von höchstem Rang“.

Was heißt „Unterdrückte Musik“? Auch da gibt es zwei Bedeutungen: Unterdrückt, zur Seite geschoben, wird schnell eine Musik, die nicht leichthin zu konsumieren ist. Sie fliegt aus den Charts, kommt in Konzertprogrammen besser nicht vor, da liefe ja das Publikum weg. Die weit fatalere Bedeutung „verfemt“ will alles  aus der Welt eliminieren, was irritiert, was dem verordneten Usus nicht entspricht. Dabei sind die Grenzen zwischen „unterdrückt“ und „verfemt“ fließend. Musik, die nicht geliebt wird, wird schnell widerstandslos zur Seite geschoben. Man kann sie auch diffamieren, und Schlimmeres.

Die Kompositionen, die überall dort unterdrückt wurden, wohin nationalsozialistische Stiefel traten, also europaweit, waren zumeist im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entstanden, in neuer Tonsprache, als man fühlte, die Zeit „des Drängens und der Drähte, die Welt der rasenden Geräte“, wie Rilke sie nannte, ließ sich nicht weiterhin in der tradierten Dur-Moll-Tonalität beschreiben. Das Kommunikationsmittel Sprache war durch den „schönen Schein“, den die Gesellschaft so unbedingt aufrecht erhielt und durch die Kriegspropaganda des Ersten Weltkriegs unglaubwürdig geworden, die  Abwehr der Worte ohne Bedeutung hieß „Dada“.  In Wien wehrte Arnold Schönberg die Banalisierung der Ersten Wiener Schule mit der Entwicklung der Zwölftonmethode ab, in der 12 Töne nur aufeinander bezogen sind, kein Dur, kein Moll, keine Herrschaft der Tonika, kein Darüber/Dominante und Darunter/Subdominante. Dazu verschworen sich Schönberg und Berg und Webern miteinander, und wir nennen es heute Zweite Wiener Schule. Aber für viele ist auch heute noch die Zwölftonmusik der Inbegriff von unanhörbarer schräger Musik, durchaus zur Seite schiebbar. Die Verfemung hat mit dem Ende des Nationalsozialismus nicht aufgehört, sie wirkte vor allem noch im realen Sozialismus als probates Mittel, Unbotmäßiges radikal kaltzustellen.


'musica suprimata' möchte - 100 Jahre nach dem ersten Erscheinen - dazu beitragen, die Hemmschwelle runterzusetzen, denn die Zwölftonmusik ist zwar „Luft von anderen Planeten“, aber eigentlich auch eine Fortsetzung der Klassik mit veränderten Mitteln, mit frischem Wind eben. Nur Mut!


Herzlich im Namen von musica suprimata  


Ihre

Heidemarie T. Ambros