Willkommen bei musica suprimata !

  


Unsere Konzerte finden in Siebenbürgen statt, in Rumänien also. In einem ehemals deutschsprachigen Kulturraum. Wir bringen ehemals verfemte, "entartete" Musik von dadurch missliebig gewesenen und verfolgten Komponisten wieder in die Präsenz des heutigen Konzertlebens.


          

Was heißt „Verfemte Musik“?

Seit ungefähr zweieinhalb Jahrzehnten beginnt das Engagement einiger Musiker und einiger Veranstalter nachhaltige Früchte zu tragen. Ehemals Verfemte Musik darf nun auch schon ab und zu in „ganz normale“ Konzertpro-gramme aufgenommen werden, so selbst-verständlich wie jede andere zeitgenössische, also moderne, Musik auch: wohldosiert, und nur für wohl vorbereitetes Publikum ganz pur. Ein langer Weg. Was waren die Stationen auf diesem Weg?

    

Die Kompositionen entstanden zumeist im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, in neuer Tonsprache, als man fühlte, die Zeit „des Drängens und der Drähte, die Welt der rasenden Geräte“, wie Rilke sie nannte, ließ sich nicht weiterhin in der tradierten Dur-Moll-Tonalität beschreiben. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als Kaiserreiche wankten und Herrschafts-gefüge zusammenstürzten, machte für die jungen Leute, die sich als Avant- garde verstanden, die dem Denken neue Wege finden wollten, auch die Tonika als Herrscherin, um die alles Geschehen mit Darüber/Dominante und Darunter/Subdominante kreiste, keinen Sinn mehr. Und es folgten herrliche fünfzehn Jahre, in der man neue Wege der Kunst ausprobierte und international diskutierte, in der Bildenden Kunst, in der Literatur, und auch in der Musik.

    

Und dann war „Schluss mit lustig“. Dann wurde und blieb das Geld knapp, da war für Experimente keine Geduld mehr, sie bedeuteten Verunsicherung, Bedrohung. Da sagte man dem Neuen, das man nicht verstand, die Feme an. Feme ist hinterhältig, vor ihr gibt es keine Rechtfertigung, mit ihr gibt es keinen offenen Kampf. So erging es der Neuen Kunst, so erging es der Neuen Musik. Die Bedrohung war Existenzbedrohung für die Musik, die nun nicht mehr ertönen durfte. Für die Komponisten, die sie geschrieben hatten, begann Drangsal, und, wenn sie Juden waren, entkamen sie der Feme oft nicht mal mit dem nackten Leben.

Feme gibt nicht Ruhe, ehe sie nicht vernichtet hat. Es liegt in der Natur der Feme, dass sie scheinbar nicht aufgelöst werden kann. Und so hat sie noch weiter gewirkt, lange, nachdem dem Hitlerismus ein Ende gemacht worden war, lange, nachdem der Stalinismus in sich zusammengefallen war. Sie leitet wie magisch zu dem Einwand: Aber vielleicht war ja was dran, vielleicht war sie ja zu Recht hinweg gefegt?

Nichts war dran, wie man deutlich hören kann. Etwa hundert Jahre mussten vergehen, ehe sich diese ehemals wirklich neue Musik ihr Publikum gewinnen konnte. Wer sich drauf einlässt, merkt es :

  

Aber das ist ja ganz wunderbare Musik! Wo blieb sie nur so lange?


Herzlich im Namen von musica suprimata   

Ihre

Heidemarie T. Ambros