Zu den Kompositionen


Trio für Violine, Violoncello und Klavier (1982)
1. Allegro moderato - 2. Adagio - 3. Allegro moderato

Als Wolf von Aichelburg 1982 in Freiburg sein Klaviertrio komponierte, war Stockhausens Oper Donnerstag aus Licht gerade in Mailand uraufgeführt worden, Philip Glass‘ Koyaanisqatsi machte die Minimal Music weltweit populär und die Popgruppe ABBA löste sich auf. Keine Zeit für ein polytonales Klaviertrio in drei Sätzen. Zumindest dann nicht, wenn man sich Adornos Obsession eines musikalischen Materialfortschritts unterwerfen und in den internationalen künstlerischen Innovationswettbewerb eintreten
möchte. All dies hatte Wolf von Aichelburg aber gar nicht vor. Sein Trio sollte nicht
an den Bühnen der Welt antreten, es sollte sich nicht messen mit Zeitgenossen und
Zeitgeist, sein Maßstab ist es selbst.
Aichelburg war musikalischer Autodidakt. Er interessierte sich für die Neue Wiener
Schule und war mit dem Komponisten Rudolf Wagner-Régeny befreundet, der ihn
zum Komponieren anregte, aber weder die Techniken Schönbergs, noch die
Wagner-Régenys haben sein musikalisches Schaffen beeinflusst. Auch den überkommenen Traditionen unterwirft er sich nicht, obwohl er sie kennt. Sein Klaviertrio
hat drei Sätze in der Abfolge schnell-langsam-schnell, wie es seit dem 18. Jahrhundert
üblich ist, er komponiert in gebrochener Polytonalität, die Reibungen zulässt und doch die Schönheit von Klängen und Linien im Blick behält. Und er orientiert sich an der Tradition des Klaviertrios.
So übernimmt der erste Satz, das Allegro moderato, vieles von einer Sonatenform, mit einem einprägsamen und dennoch schwer greifbaren Thema, das exponiert und
durchgeführt wird, doch statt des zu erwartenden zweiten Themas trifft man nur
changierende Reminiszenzen des ersten, das immer wieder in veränderter Form
erscheint und verschwindet, um gleich wieder abgewandelt ganz woanders wieder
aufzutauchen, manchmal nur als Rhythmus, als Akkord. Es kommt nicht zum
Widerstreit der Themen, wie die Form es hätte vermuten lassen können, die Musik
vergleicht sich nicht, sie misst sich an sich selbst, will keinen Maßstab, in den sie sich
einordnet. Aber sie will auch nicht den Bruch mit der Tradition: Mit dem Eintritt der
Reprise ist die Ordnung wiederhergestellt, leise und vorsichtig, ohne Grund zum Feiern. Fast verstört schließt sich eine Coda an, die sich schließlich im Pianissimo verliert.

Auch der Seitensatz im Adagio: Das gehört sich so, das lässt Traditionsbewusstsein
vermuten. Und tat-sächlich ist der mittlere Satz der schöne, mit breiten Klangflächen
und klaren, tonalen Motiven. Doch immer wieder brechen die Motive ab, enden die
Klang-flächen abrupt, um durch völlig andere Tonfolgen und Flächen ersetzt zu werden, die wiederum ganz neuen Gestalten weichen müssen. Farben und Linien, Tupfer, Ecken und Spitzen sind zu hören, manche haben ein abruptes Ende, einen scharfkantigen Umriss, manche sind ohne klare Grenzen. Die Farben mal klar, mal nebelhaft verschwommen. Ein Gemälde zum Hören? Darf man diese Musik, die sich ihren Gesetzmäßigkeiten so subtil entzieht, derart konkret deuten?
Der Satz endet ähnlich still wie der erste, doch diesmal steht die Stille im Fortissimo.
Und was schließlich übrig bleibt, ist eine offene Quinte – das Intervall, das keine
Deutung zulässt.

Der dritte Satz. Ein langer Triller zu Beginn, ein bodenständiger Rhythmus, in dem
stets das erste Viertel betont ist, militärische Quarten – das sind die Insignien eines
Parademarschs. Das passt zum Trio, denn abgesehen von der Blaskapelle war das
Trio lange Zeit die gängigste Marschformation – wenn auch freilich in anderer
Besetzung. Aber marschieren möchte man nicht zum Allegro moderato des letzten
Satzes, die stockenden Dreifachgriffe der Violine, die das Thema eröffnen, laufen
dem Rhythmus entgegen, im Klavier erscheinen Triolen, die jeden Soldaten zu Fall
bringen würden. Mit dem lyrischen Seitenthema im Cello sind schließlich alle
militärischen Ambitionen besiegt, obwohl die musikalischen Versatzstücke bis zum
Schluss beibehalten werden, bereichert um Motive aus dem ersten Satz und die
synkopierten Rhythmen des zweiten. Zuletzt stehen die charakteristischen langen
Triller nur mehr für den Stillstand, der, wie in allen Sätzen, durch ein langsames
Ausklingen noch intensiviert wird. Das ist kein virtuoses Finale, das die Musiker mit großer Geste beenden, gefolgt von begeistertem Applaus. Das ist nachdenkliche Musik in einer ganz eigenen Farbe und Gesetzmäßigkeit, unabhängig, aber nicht bedingungslos.
(Jörg Siepermann)


Wen diese Kompositionsanalyse inspiriert, noch andere Kompositionen von Wolf von Aichelburg kennenzulernen, der sei auf die nachfolgenden Titel hingewiesen. Die Werke werden alle im Astoria Verlag archiviert und nur on demand ausgefertigt. Bestellen können Sie sie bei

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"von Gundelsheim" meint das Siebenbürgen-Institut
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Telefon  06269 4215-0
bibliothek@siebenbuergen-institut.de


Konzert für Trompete und Orchester (1956)
Dirigierpartitur
Aufführungsmaterial - leihweise
Verlag: Astoria Verlag

2. Flötensonate (MS von Gundelsheim)
Trio per oboe, clarinetto e fagotto
1. Moderato (6'00"), 2. Intermezzo, Mesto (4'00"), 3. Allegro molto, Scherzo (6'00"), 4. Allegretto pastorale (5'00")
Verlag: Astoria Verlag
Aufführungsdauer: 21' 0''
Kompositionsjahr: 1957
ISMN: 979-0-2038-7306-8
In Vorbereitung

Bläserquintett
1. Allegro moderato (7'00"), 2. Sostenuto (7'00"), 3. Allegro (10'00")
Besetzung: Flöte, Oboe, Clarinette (B), Horn (F), Fagott
Verlag: Astoria Verlag
Aufführungsdauer: 24' 0''
Kompositionsjahr: 1968
ISMN: 979-0-2038-7309-9

Zweites Streichquartett
Besetzung: zwei Violine, Viola, Violoncello; Streichquartett
1. Allegro deciso (6'00"), 2. Adagio (6'00"), 3. Allegro (7'00")
Verlag: Astoria Verlag
Aufführungsdauer: 19' 0''
Kompositionsjahr: 1956
ISMN: 979-0-2038-7307-5

Fünftes Streichquartett
1. Sostenuto (6'00"), 2. Molto adagio (9'00"), 3. Allegro (6'00")
Besetzung: zwei Violinen, Viola, Violoncello; Streichquartett
Verlag: Astoria Verlag
Aufführungsdauer: 21' 0''
Kompositionsjahr: 1965
ISMN: 979-0-2038-7308-2

9. Streichquartett (MS von Gundelsheim)
Trio für Violine, Violoncello und Klavier (1982)
Besetzung: Violine, Violoncello, Klavier
1. Allegro moderato (7'00"), 2. Adagio (8'00"), 3. Allegro moderato (8'00")
Verlag: Astoria Verlag
Aufführungsdauer: 23' 0''
Kompositionsjahr: 1982
ISMN: 979-0-2038-7310-5

Klaviertrio (MS in Gundelsheim)
Concertino per violino e pianoforte
in einem Satz
Besetzung: Vl., Klav.
Verlag: Astoria Verlag
Aufführungsdauer: 6' 0''

Concertino für V + Kl (MS in Gundelsheim)
Sonate für V + Kl (MS von Gundelsheim)
Sonate für Viola und Klavier (MS in Gundelsheim?/von Tonger?)
Bestell-Nr: T2373-0  ISMN: M-005-23730-3

Concertino per violoncello e pianoforte
Andante piu mosso, Allegro, Andante
Besetzung: VC., Klav.
Verlag: Astoria Verlag
Aufführungsdauer: 6' 0''